Neurodivergenz & hochsensibilität
Manche Menschen denken schneller, als die Welt um sie herum reagiert. Fühlen tiefer, als es die Umgebung erwartet. Verbinden Dinge, die andere nicht verbinden. Und erschöpfen sich dabei auf eine Weise, die von außen oft unsichtbar bleibt.
Das ist keine Störung. Es ist eine andere neurologische Ausstattung — mit echten Stärken und echten Kosten.
Neurodivergenz neu einordnen
ADHS, Autismus-Spektrum, Hochsensibilität — und die vielen Konstellationen, die sich in ICD-10 oder DSM-5 noch nicht sauber abbilden lassen. Was diese Erfahrungen verbindet: Sie sind keine Defizite, die behoben werden müssen. Sie sind neurologische Besonderheiten, die verstanden werden wollen.
Das klingt einfach. In der Praxis bedeutet es einen grundlegenden Perspektivwechsel — weg von Anpassung und Kompensation, hin zu Verständnis und tragfähiger Selbstführung.
Mein Zugang
Ich bringe hier nicht nur fachliches Wissen mit. Ich kenne diese Erfahrungswelt von innen — als AuDHS-Kandidat und hochsensibler Mensch. Das verändert, wie ich zuhöre, wie ich frage und was ich überhaupt wahrnehme.
In der Arbeit bedeutet das: kein Pathologisieren, kein Optimieren. Stattdessen ein klarer, multidisziplinärer Blick auf das, was gerade kostet — und was trägt. Sensibel wo nötig, direkt wo hilfreich.
Hochsensibilität - Eine neue Dimmension
Hochsensibilität wird häufig unterschätzt oder mit allgemeiner Empfindlichkeit verwechselt. Tatsächlich handelt es sich um eine neurologisch verankerte tiefere Reizverarbeitung — mit weitreichenden Auswirkungen auf Wahrnehmung, Beziehungsgestaltung und Erschöpfungserleben.
Hochsensible Menschen nehmen mehr wahr — feiner, schneller, intensiver. Was nach außen wie Überempfindlichkeit wirkt, ist oft ein Nervensystem, das permanent auf Hochtouren läuft. Die Erschöpfung, die daraus entsteht, wird selten richtig eingeordnet — weder von Betroffenen selbst noch von ihrem Umfeld.
In Kombination mit ADHS oder Autismus-Spektrum-Erfahrungen verstärken sich diese Effekte häufig. Die Grenzen zwischen den Konzepten sind fließend — und das ist kein Problem der Diagnostik, sondern ein Hinweis auf die Komplexität menschlicher Neurologie.
Überschneidungen und Komorbiditäten
Neurodivergenz tritt selten allein auf. ADHS und Autismus-Spektrum überschneiden sich häufiger als lange angenommen — das Bild des AuDHS ist in der Forschung zunehmend etabliert, in der klinischen Praxis jedoch noch wenig verbreitet.
Hinzu kommen Überschneidungen mit Trauma, Angststörungen und Burnout. Nicht weil Neurodivergenz zwangsläufig zu diesen Zuständen führt — sondern weil ein Leben lang in einer neurotypisch ausgerichteten Welt zu funktionieren seine Spuren hinterlässt. Masking, also das dauerhafte Anpassen und Verbergen des eigenen Erlebens, kostet enorm. Viele Betroffene merken erst spät, wie viel Energie dieser Prozess gebunden hat.
Diese Zusammenhänge zu verstehen ist ein zentraler Teil meiner Arbeit — nicht um zu pathologisieren, sondern um Entlastung und Orientierung zu schaffen.
Der Weg zur Diagnose
Viele Menschen kommen ohne formale Diagnose in meine Praxis — mit einem diffusen Verdacht, einer späten Erkenntnis oder einfach dem Gefühl, anders zu funktionieren als andere. Andere kommen mit einer frischen Diagnose und dem Bedarf, diese einzuordnen und zu integrieren.
Ich stelle selbst keine Diagnosen. Das ist Aufgabe von Neurologen oder approbierten psychologischen Psychotherapeuten mit spezieller Schulung. Was ich leiste: Einordnung, Orientierung und bei Bedarf Begleitung auf dem Weg zu weiterführender Diagnostik. Wer einen Anhaltspunkt sucht, wo dieser Weg beginnen könnte, ist bei mir richtig.
Neurodivergenz im gesellschaftlichen Kontext
Neurodivergente Menschen leben in einer Welt, die auf neurotypische Funktionsweisen ausgerichtet ist — in Schule, Beruf, Beziehungen und sozialen Erwartungen. Das erzeugt einen dauerhaften Anpassungsdruck, der sich über Jahre akkumuliert.
Masking — das Verbergen des eigenen Erlebens, um dazuzugehören — ist eine häufige Bewältigungsstrategie. Sie funktioniert, bis sie nicht mehr funktioniert. Der Moment, in dem die Maske zu schwer wird, ist oft der Moment, in dem Menschen therapeutische Begleitung suchen.
In meiner Arbeit geht es nicht darum, die Anpassung zu optimieren. Es geht darum, zu verstehen, was wirklich passiert — und einen Umgang zu finden, der trägt.
Wenn es schwierig wird
Neurodivergenz bedeutet nicht dauerhaft Krise — aber es gibt Phasen, in denen sich alles verstärkt. Reizüberflutung, emotionale Dysregulation, soziale Erschöpfung, das Gefühl, nirgendwo ganz dazuzugehören.
Diese Phasen brauchen keine Pathologisierung. Sie brauchen Einordnung, Stabilisierung und manchmal einfach jemanden, der versteht, was gerade passiert — ohne es wegzuerklären.
Wie wir arbeiten
Einzeltherapeutische Begleitung:
Individuell, in Ihrem Tempo, ohne Anpassungsdruck.
Diagnostische Einordnung:
Ich stelle keine Diagnosen — aber ich kann helfen, Erfahrungen einzuordnen, Muster zu verstehen und bei Bedarf den Weg zu weiterführender Diagnostik zu begleiten.
Systemische Perspektiven:
Neurodivergenz zeigt sich immer auch im Kontext — in Beziehungen, Familiensystemen, beruflichen Anforderungen. Diese Ebene fließt in die Arbeit ein.
Wenn Sie in Wuppertal Begleitung suchen, die Neurodivergenz und Hochsensibilität
wirklich versteht — nehmen Sie gerne Kontakt auf. Ein erstes Gespräch ist unverbindlich.
